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Nostalgie zelebrieren oder...

  • Dienstag, 5. Mai 2026

Wenn alte Männer auf dem Retro-Trip sind

Alles begann mit einem YouTube-Video von Triple Tuned aka Ahtsi, Mitglied von NordBeat 😉 (Bananarama - Venus (AKAI Force 3.0.6, VIRUS b, Behringer TD-3)) im Jahre 2020, in dem ich zum ersten Mal den sogenannten Game Frame gesehen habe. Schon in diesem Moment war es um mich geschehen, dieses kleine Stück Retro-Technik löste sofort ein starkes Haben-Muss-Gefühl aus.


Triple Tuned in Action - Bananarama – Venus (Remix)

Der Game Frame (https://www.ledseq.com/product/game-frame) ist ein 16×16-Pixel-Display, das in der Lage war, animierte GIFs darzustellen (oder eher alternativ mehrere einzelne BMPs als Loop abzuspielen). Genau wegen dieser stark limitierten Auflösung hatte das Gerät einen ganz eigenen Charme. Die minimalistischen Animationen erinnerten an frühe 8-Bit Arcade-Games und Heimcomputer und versprühten genau diesen Nostalgie-Retro-Vibe, der mich sofort gepackt hat.


Game Frame - Produktfotos

Umso grösser war dann leider die Ernüchterung, als ich feststellen musste, dass dieses Retro-Teil inzwischen nicht mehr erhältlich war. Es ist ausverkauft, gibt’s nicht mehr, Aus-die-Maus Nikolaus.

Das war, gelinde gesagt, ein kleiner Dämpfer für meine anfängliche Euphorie. Doch statt die Idee ad acta zu legen, begann in meinem Kopf bereits ein neuer Gedanke zu reifen: Warum nicht selbst etwas Ähnliches bauen?

Schön und gut, aber diese Idee ging dann zunächst doch unter, oder besser gesagt: sie wanderte erst einmal unters Eis und sollte dort für rund fünf Jahre reifen. Das Thema war nie ganz vergessen, schlummerte aber stets irgendwo im Hinterkopf, bis ich schliesslich auf etwas gestossen bin, das alles wieder ins Rollen brachte: einen Raspberry Pi Pico 2W.


Raspberry Pi Pico 2W – mit einem Micro-USB Anschluss 🙈

Ab diesem Moment begann der erste Stein zu rollen. Plötzlich war die alte Begeisterung wieder da, kombiniert mit neuen Möglichkeiten. Der Pico 2W ist klein, günstig, energieeffizient – und trotzdem erstaunlich leistungsfähig. WLAN an Bord, genügend Rechenleistung, flexible GPIOs und eine aktive Community: genau die Art von Hardware, die zum Experimentieren einlädt.

Aber warum eigentlich dieser Enthusiasmus? Mich fasziniert es seit jeher, welche enorme Power in diesen winzigen Microcontrollern steckt. Auf kleinstem Raum erledigen sie Aufgaben, für die früher ein kompletter Rechner nötig gewesen wäre. Sie booten in Bruchteilen einer Millisekunde, laufen stabil, verbrauchen kaum Energie und lassen sich für unzählige Projekte einsetzen – von einfachen Spielereien (wer kennt sie nicht, die LED-Blinkdemo? 😉) bis hin zu IoT- und ernsthaften Anwendungen. Und das Beste daran? Die Teile kosten fast nichts.

Genau diese Mischung aus Minimalismus, Effizienz und Kreativität war es, die den ursprünglichen Game-Frame-Gedanken wieder aus der Hirnversenkung geholt hat – diesmal mit dem festen Vorsatz, ihn auch wirklich umzusetzen.

Der Retro-Trip ist in den Startschuhen

Also startete ich die Recherche: Google, ChatGPT, Reddit und diverse Community-Foren liefen heiss, um die ganze Sache endlich in Schwung zu bringen. Ich wühlte mich durch unzählige Beiträge, YouTube-Tuts und Projektberichte, sammelte Ideen, verglich Lösungsansätze und lernte aus den Erfahrungen anderer. Nebenbei begann ich, auf Amazon, AliExpress und in weiteren Online-Shops nach den benötigten Bauteilen zu suchen und mir zig Stücklisten zusammenzustellen. Und… diese auch schon zu bestellen.


All-in-one Starter Kit für Pico 2. Lässt sich mit Arduino IDE mit zahlreichen Beispielen coden.

Schnell tauchten dabei die klassischen Grundsatzfragen auf: Welche Software eignet sich am besten für die Entwicklung? Setze ich auf MicroPython, C/C++ oder doch etwas ganz anderes?

Spoiler: Es wird Visual Code werden mit der Erweiterung PlattformIO. Die Programmierung erfolgt in C++ (Uff, jetzt muss ich mich doch noch mit &Pointern herumschlagen).

Aber dank GitHub gibt es bereits tausend Räder, die erfunden wurden! Ich sag nur WLED! 😉

Aber leider muss der Pico 2W weichen, da er vom WLED-Projekt nicht unterstützt wird. Egaaaal, wie der Wendler singen würde: Dafür gibt es eine Lösung: Der ESP32 übernimmt nun den Job.


Espressif ESP32 – Das Herz vieler IoTs! Hier ein AliExpress-Klon.

Und der kleine Kerl hat es wirklich in sich: Mit 240 MHz Taktfrequenz, WLAN, Bluetooth und ausreichend GPIOs bringt er jede Menge Power auf kleinstem Raum. Dabei ist er kompakt, flexibel einsetzbar und, ganz ehrlich, auch putzig anzusehen 😎. Und hat USB-C – danke!

Als ob das noch nicht genug wäre, ist der ESP32 sogar noch günstiger als der Pico 2W – was die Entscheidung erst recht erleichtert. Dazu kommt die riesige Community und die exzellente Software-Unterstützung, gerade für Projekte wie WLED, die das ganze Setup enorm vereinfachen.

Kurzum: Der ESP32 ist nicht nur ein würdiger Ersatz, sondern fast schon ein Upgrade. Damit ist der Grundstein (oder Grund-MCU?) gesetzt!

Link: AliExpress - ESP32-DevKitC-32

Nun zur Displayfrage: Baue ich die 16×16-LED-Matrix komplett selbst aus einzelnen LEDs und Treibern oder greife ich auf ein fertiges Modul zurück, um Zeit und Nerven zu sparen?

Spoiler: Es ist Letzteres. Lieber günstig kaufen, als teurer und schlechter selber zusammenlöten!


WS2812B RGB LED Digital Flexibles Panel WS2812 IC Individuell adressierbares Modul Matrixbildschirm 16x16.

Link: WS2812B RGB LED-Matrix

Auch das Thema Hardware-Design stellte sich als grössere Herausforderung heraus als zunächst gedacht. Welches Gehäuse passt zu so einem Projekt? Soll es möglichst nah am Original-Game-Frame bleiben oder lieber eine eigene, moderne Note bekommen? 3D-Druck, Holz, Acryl oder doch etwas ganz anderes? Und nicht zuletzt: Wie baue ich das Gehäuse überhaupt so, dass am Ende alles sauber zusammenpasst, stabil ist und trotzdem gut aussieht?

Noch’n Spoiler: Ein 3D-Drucker wird diese Aufgabe übernehmen müssen.

Soweit so gut, nur: Jetzt muss ich «der Gerät» ja auch noch modellieren – ja nee, is klar. Jetzt auch noch Blender und FreeCAD lernen? Digga, was tue ich mir bloss an? 🤣

Ich betrete das Neuland des Designs

Na gut, hilft ja jetzt nix, da muss ich durch. Also machte ich meine ersten, zaghaften Hallo-Welt-Schritte in Blender. Und was soll ich sagen: Die Lernkurve bei Blender ist nicht einfach nur steil, sie ist eher eine senkrechte Wand. Shortcuts über Shortcuts, Modi über Modi, und nichts funktioniert so, wie man es intuitiv erwarten würde.

Fluchen im Fünf-Minuten-Takt hat sich dabei schnell als bewährte Methode erwiesen, um Stress und aufkommenden Ärger effektiv abzubauen… 🤣 Gleichzeitig gab es aber auch diese kleinen Erfolgsmomente: Wenn plötzlich ein Objekt genau das tat, was es endlich sollte, oder wenn aus ein paar primitiven Formen langsam etwas entstand, das tatsächlich nach einem Gehäuse aussah.


Gehäuse Prototyp #2 in Blender modelliert

FreeCAD fühlte sich im Vergleich zwar etwas nüchterner und technischer an, hatte dafür aber seine ganz eigenen Tücken. Skizzen, Constraints und Abhängigkeiten wollten verstanden und sauber umgesetzt werden – ein falscher Klick, und das ganze Modell verabschiedete sich in ein geometrisches Chaos und/oder mit lautlosen Abstürzen. Auch hier wurde weiterhin alle fünf Minuten geflucht und sich über das Programm genüsslich echauffiert. 🙈

Trotzdem wurde mit jedem Abend vor dem Bildschirm klarer: Das hier ist kein notwendiges Übel, sondern ein weiterer spannender Teil des Projekts.

Schlussamänd ist FreeCAD die Wahl für mein Gehäuse-Design geworden. Ausschlaggebend dafür waren, dass FreeCAD komplett «Free» und Open Source ist und vor allem die Möglichkeit der Parametrisierung bietet, wodurch sich die Abmessungen und Proportionen des Gehäuses jederzeit schnell und sauber anpassen lassen.

Gerade für ein Projekt, das sich während der Entwicklung ständig weiterentwickelt, ist das ein enormer Vorteil. Ausserdem fühlt sich dieser eher technische, strukturierte Ansatz einfach „richtig“ an, wenn es darum geht, ein funktionales und zugleich reproduzierbares Gehäuse zu entwerfen.


Viele kleine Schritte in FreeCAD…


 …führen nach Rom!


Die Rückseite des Frames in Bambu Lab Studio

Kleines Fazit: Am Ende gehört genau das dazu: sich neue Werkzeuge anzueignen, über den eigenen Schatten zu springen und Dinge zu lernen, die man sich ein paar Wochen zuvor noch absolut nicht zugetraut hätte.

Und ganz ehrlich? Eine gewisse Selbstkasteiung gehört bei solchen Projekten einfach dazu. 😄

Nicht lange schnacken, Kopp in Nacken! Also ab damit zu meinem Kumpel, der einen Bambu Lab Mehrfilamenten-3D-Drucker am Start hat. Schnell das Modell rübergeschickt, Druckparameter abgestimmt und Druck starten.

Nun heisst es: Abwarten und Tee saufen und hoffen, dass der Drucker keine Spaghetti druckt.

Es ist einfach ein grossartiger Moment, wenn aus Ideen, virtuellen Skizzen und Parametern plötzlich etwas Greifbares wird. Der 3D-Drucker spuckt Schicht für Schicht mein Gehäuse aus, und während ich zuschaue, wird die ganze Projektidee langsam real. Jede Linie, jede Kante, jede Bohrung – alles passt wie geplant.

ZWISCHEN-FAZIT: Dieser Schritt macht das Projekt erst richtig „echt“. Vom Bildschirm auf den Drucker, und schon bald halte ich mein eigenes, selbst entworfenes Game-Frame-Gehäuse in den Händen.

Zeit für ein Bierchen für Erreichen dieses Meilensteines. 🍻

Die Endprodukte: TGs Frame & Matrix – Prototypen #2


Die beiden ersten Prototypen TGs Frame und TGs Matrix P3.

Nun geht um die Konfiguration & Programmierung von meinen Babys «TGs Frame/Matrix» in WLED.

  • Knackpunkt 1: Welche WLED-Version nehme ich?
    Mehr oder doch eher weniger schnell war klar: Ich brauche WLED-nightly, da nur diese Version animierte GIFs unterstützt. Ohne die Möglichkeit, meine kleinen pixeligen Animationen abzuspielen, hätte das Projekt nur halb so viel Spass gemacht.
    Für die 64x64 Matrizen kommt der WLED-mm-dev Fork ins Spiel (moon modules).
    WLED bietet weit über 150+ FX und Animationen und Farbpaletten von Haus! Ahjaaa, ein Webinterface gibt’s natürlich auch dazu. Eben, wieso das Rad neu erfinden? 😉
  • Knackpunkt 2: Wie flashe ich die Firmware auf den ESP32?
    Das Flashen der Firmware beim ESP32 geschah bequem über OTA (Over-The-Air), was im Nachhinein echt ein Lebensretter war. Kein Kabelsalat, kein lästiges Neuverbinden – trotzdem flossen Stunden in Trial-and-Error, bis alles zuverlässig lief ohne Abstürze und Hänger. Ohne Scheiss: Der Boot-Knopf beim ESP32-Modul fiel ab vor lauter Drücken… 🤣
  • Modifikation von WLED & Wetter-Modul:
    Für spezielle Funktionen habe ich WLED selbst und das Wetter-Modul in C++ modifiziert. Kleine Anpassungen, ein Pixel hier und da, um TGs Frame so zu gestalten, wie ich es mir vorgestellt hatte – und erstmals als erster Start für die Prototypen.
  • Presets erstellen:
    Rund 120+ Presets/Animation für WLED habe ich direkt in WLED angelegt. Man möchte ja auch sehen auf den Dingern. Und fertig mit Presets erstellen ist man sowieso nie damit…
  • Animierte GIFs vorbereiten:
    Die – im Internet mühsam zusammen gesuchten – animierten GIFs habe ich in Photoshop skaliert, freigestellt und bearbeitet, damit sie auf die 16×16-Auflösung passen. Gleichzeitig habe ich auch 32x32- und 64x64-Versionen erstellt. Die GIFs werden via Web-Interface auf den ESP32 hochgeladen.
  • Presets mit Uhr- und Temperatur-Segmenten:
    Ein echtes Highlight sind die Presets mit Uhr- und Temperatur-Segmenten für die 64×64-Matrix Version. So kann TGs Frame, sorry TGs Matrix, nicht nur coole Animationen abspielen, sondern gleichzeitig als praktischer kleiner Info-Bildschirm dienen – alles direkt in der LED-Matrix integriert. Um das zu realisieren, habe ich ein kleines Hacktool in Visual Studio Community geschrieben. Damit lassen sich die vordefinierten Presets/Animationen mit Uhr und Temperatur Segmente kombinieren und direkt als Playlist erstellen – ganz ohne alles jedes Mal manuell in WLED erstellen zu müssen.
    Die generierte JSON-Datei wird dann in den Frame importiert.
  • Endlich diesen lang erwarteten Blogbeitrag an Ahtsi senden. 🙈😆

MEIN ABSCHLIESSENDES FAZIT für diesen einen Retro-Trip:Unzählige Stunden Basteln, Flashen, Testen, Verwerfen und Neustarten. Aber jedes kleine Erfolgserlebnis, sei es ein korrekt angezeigtes GIF oder ein neues, funktionierendes Preset, machte die ganze Mühe wieder wett.

Und genau das macht Projekte wie dieses so süchtig machend.

Aber die "unendliche Geschichte" endet hier noch lange nicht... Stay tuned für den nächsten Retro-Trip-Step! 😉

So long!
___
/.G